EIN COCKTAIL - 

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Fleisch zum Frühstück- Und andere Kuriositäten
Juni 2007 flog Yolanda Liechti für fünf Wochen privat zu Familienangehörigen nach Japaratinga, einem Dorf 1,5 Stunden von Recife, an der Nordostküste Brasiliens, entfernt. Für sie eine Gelegenheit, Land u. Leute nicht durch die Pauschi-Touristenbrille zu sehen, sondern das Leben zwischen Fest und Alltag zu erleben. Gefeiert wurde Johanni. Als sie in Japaratinga ankam, liefen bereits die Festvorbereitungen.

Tagsüber begegnet man verkleideten Kindern mit Spielzeugpistolen und Knallfröschen. Während die meisten Frauen in der Küche die Maisspeisen vorbereiten, laufen die kleinen Jungen und Mädchen durch die Gegend. Sie können den Abend gar nicht erwarten. Schon Tage vor Johanni werden die Straßen feierlich geschmückt und überall brennen kleine Feuer. In der Nacht zwischen dem 22 und dem 23 Juni geht die Party dann erst richtig los: es wird zu Forro getanzt, und anschließend gibt es traditionell Maisspeisen und Getränke.Die meisten Jungen verkleiden sich als Bandidos (Banditen), malen sich mit Kajal Bärte, tragen Boots, zerlöcherte Hüte und stecken sich mit Sicherheitsnadeln Flicken an die Hose. Manche machen sich sogar schwarze Zähne.

Die kleinen Mädchen tragen hübsche Kleider oder Trachten und verkleiden sich als Ladies, den ganzen Abend über werden Feuerwerke gezündet, und die Cowboys werfen Knallfrösche.Nicht ganz ohne Alkohol feiern und verkleiden sich auch die Erwachsenen und Jugendlichen. Später werden noch Spiele gespielt, bei denen das Brasilianische Temperament zum vorschein kommt.

Wie zum Beispiel mit einer Angel (Besenstiel mit Haken) einen Papierfisch angeln, auf dem Fisch steht eine Nummer und man bekommt den dazugehörigen Preis. Oder es wird ein Luftballon gefüllt mit Süßigkeiten aufgehängt und einem Kind werden die Augen verbunden, dann wird ihm ein Besenstiel mit Heftzwecke gegeben und es wird gedreht. Jedes Kind hat einen Versuch, den Ballon zu treffen. Ist der Ballon geplatzt, geht es darum, möglicht viel Beute zu ergattern - das ganze erinnert etwas an Rugby. Genau so temperamentvoll, nur ärmer sind die Obdachlosen Brasiliens, sie leben am Straßenrad, in ihren selbstgebauten Häusern.Überall auf den Straßen in Brasiliens Nordosten hört man Forro, der aus solchen Megaboxen wie auf dem VW-Bus nicht zu überhöhern ist! Brsieliens Sourround-System heißt nicht nur so, für einen guten Sound ist kein Opfer zu groß, riesen Boxen auf dem Autodach haben diverse Vorteile, abgesehen davon, dass mann immer gut erkannt und gesehen werden kann, und natürlich der Möglichkeit wo immer man ist, Party zu machen, ist es auch noch Diebstahlsicher. Bei nicht allzu lärmempfindlicher Nachbarschaft ein absolutes Must Have!

Jede Siedlung hat seinen eigenen Festplatz, den ihre Flagge markiert. Diese Flagge ist die Flagge der Siedler, sie nennen sich Movimento sem terra (Bewegung ohne Erde). So werden die Obdachlosen außerhalb der Städte genannt. In manchen Siedlungen stehen dort alte Sofas und sogar Fernseher.In Brasilien hat jeder einen Fernseher. Und es gibt dort sogar, so häufig wie bei uns Telefonzellen oder Briefkästen öffentliche Fernseher. Ferngesehn wird dann mit allen zusammen wie in einem öffentlichen Wohnzimmer. In den Siedlungen am Straßenrand haben die meisten nur eine kleine selbstgebaute Hütte, so dass die Siedlung an eine WG erinnert. Der Festplatz ist also vielleicht die Küche oder das Wohnzimmer. In Brasilien ist es nicht unüblich, dass Leute reiten. Pferde sind ein beliebtes Transportmittel, sie sind nicht so teuer wie Autos und haben mindestens ein PS. Das Pferd wird nur noch beladen, Zaumzeug braucht der Reiter nicht.Hat man aber eine größere Lieferung oder ist insgesamt etwas reicher wie hier am Rio Sao Francisco, kauft man sich einen Wagen dazu. Der Rio Sao Francisco ist die Bundesgrenze zwischen Alagoas und Sergipe, Penedo (noch in Alagoas), lag mal direkt an der Grenze zum Meer. Deshalb ist es so reich, doch im laufe der Jahre hat der Fluss so viel Sand angespült, dass man 30km flussabwärts fahren muss, bis man die Mündung erreicht.

Auch Penedo war eine Hafenstadt, was früher Reichtum bedeutete. Das ist der Grund, warum es in Penedo so viele Kirchen gibt. Damals hatte jede reiche Familie eine hauseigene Kirche, wie zum Beispiel diese auf dem Foto unten.
Kaum eine Kirche ist so gut erhalten wie diese. Was an Piraten und Seeräubern liegt, welche die anderen Kirchen ausgeraubt haben. Die Wände dieser Kirche sind alle vergoldet, aber zum Schutz vor Diebstahl haben die Besitzer eine zweite Wand davor bauen lassen, so konnten Piraten das Gold 

nicht sehen.

Auch das Ufer auf der anderen Seite ist, für brasilianische Verhältnisse, immer noch reich. Den Reichtum kann man auch in den Straßen sehen, zum Beispiel liegt hier die Kanalisation, im Gegensatz zu Maceio, nicht offen. Doch auch hier waschen Frauen ihre Wäsche im Rio Sao Francisco. Hier lebt ein Großteil der Leute vom Töpfern und nicht wie in Japaratinga vom Fischfang. Dennoch wird der Fluss nicht zum Vergnügen genutzt. Da viele Leute in Brasilien zum Beispiel vom Fischfang leben.In Brasiliens Küstengebieten ist Wasser in jeder möglichen Form mit Arbeit verbunden, so haben die meisten Leute gar keine Lust, schwimmen zu gehen, sondern freuen sich eher, aus dem Wasser raus zu dürfen. In Maceio sind die Supermärkte alle mit Gittern verperrt und die Lebenmittel werden durchgereicht, was ein Schutz vor Raubüberfällen ist. Nur ein Anzeichen für die zunehmende Kriminalität in den Großstädten. Doch auch Brasilien ist ein Land der Coca-Cola Company: hier ist Coke billiger als Wasser und auch in Maceio besizt jeder einen Fernseher. Viele Straßen Maceios sehen aus wie dieser staubige Weg, gesäumt von kleinen Häuschen, die nicht viel größer sind als Deutschlands Garagen. Der Abwasserkanal ist wie unser Bordstein direkt neben dem Fußweg. Überall hört man laut Forro, und die Bewohner leben ein glückliches Leben.Doch Maceio ist kein Dorf, hier ist nachts genauso viel los wie tagsüber. Die ca. 900.000 Einwohner Maceios unterscheiden sich nicht von den Bewohnern Japaratingas, sie haben Zeit und wollen Fleisch! Nur dass die Bewohner Maceios viel schneller in einem Restaurant landen als die Japaratingas. Es ist auch nicht ungewöhnlich, Fleisch zum Frühstück zu essen, in maceio wird viel mehr Fleisch gegessen als in Japaratinga und der Fleischkonsum steigt umso weiter man Richtung Süden fährt. In Brasilien werden daher indische Kühe gehalten, die sind nicht so anspruchsvoll wie deutsche Rinder und bringen zudem noch mehr Fleisch. 

In den bewohnten Gebieten gibt es jedoch kaum etwas grüne Fläche, nur etwas entfernt der Siedlungen, hinter den Slums gibt es einen Stadtpark. Kaum einer der Bewohner interessiert sich dafür, außer vielleicht dafür, dass der Park Naturschutzgebiet ist und man da desshalb nicht bauen darf. Kaum einer der Bewohner interessiert sich dafür, außer vielleicht dafür, dass der Park Naturschutzgebiet ist und man da desshalb nicht bauen darf.

In diesem Park leben zum Beispiel Schlangen, Affen, Eidechsen, Krokodile, Vogelspinnen und andere Tiere. Die Affen sind vielleicht mit den deutschen Tauben zu vergleichen: sie sind ziemlich dreist und aufdringlich. Die Krokodiele liegen eigentlich nur faul im Wasser und interessieren sich nicht für Fußgänger. Aber auf Schlangen, so wird man gewarnt, soll man aufpassen. Schlangen hängen oft in den Bäumen und lassen sich plötzlich fallen oder seilen sich ab, oft lebensgefährlich, denn selbst wenn man es rechtzeitig zu einem Krankenhaus schafft, wenn man nicht weiß was für eine Schlange einen gebissen hat, so ist das Gegengift zusätzlich tödlich. 

Im Großen und Ganzen ist eine Reise nach Brasilien empfehlenswert! Wer Land und Leute kennen lernen möchte, sollte besser in ländlichere Gegenden fahren und Rio de Janeiro erst am Ende genießen.